Kirchen Glocken - Deutschpereg

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Deutschpereg
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Kirchen Glocken

Unsere Glocken
Walter  Hampel
Die Kirchenglocken verkünden mit ihrem herrlichen Geläut Freude, Trauer,
Gefahr, Mahnung zum Gebet sowie  Einladung zum Gottesdienst.
Die Deutsch-Pereger römisch-katholische Kirche ist mit drei Glocken ausgestattet, die Friedhofskapelle  mit einer kleinen Glocke.
1882 hat Anton Novotny in Temeswar die drei Glocken gegossen. Man bezahlte für jeden Doppelzentner 100 Gulden.
Die große Glocke wog 5 Doppelzentner, die mittlere 270 kg, die kleine 153 kg,
die Friedhofsglocke 14,5 kg. Während des Ersten Weltkriegs wurde die mittlere
und die große Glocke für Rüstungszwecke   eingeschmolzen. 1922 wurden die
jetzige mittlere und große Glocke von Friedrich Hönig in Arad gegossen.
Auf den Glocken befinden sich folgende  Aufschriften:
Große Glocke: Nos cum prole benedicat VIRGO MARIA (Möge uns die Jung-
frau Maria mit ihrem frommen Kind wohlwollend gesinnt sein),
gegossen in Arad 1922 von Friedrich  Hönig
Mittlere Glocke: Fac nos innocuam JOSEPH decurrere vitam
(Lieber Josef mach dass wir unser Leben unschuldig verbringen),
gegossen in Arad 1922 von Friedrich Hönig
Kleine Glocke: Für die röm. Kat. Kirche Német-Pereg,
gegossen in Temeswar 1882  von Anton  Novotny Nr. 853
Am Morgen, am Mittag und am Abend wurde täglich die mittlere Glocke
,,zum Engel des Herrn“ geläutet (in Deutschpereg ,,Gebetläuten“ und
,,Zwölfeläuten“ genannt). Abends nach dem ,, Gebetläuten“ Wurde die kleine
Glocke für die ,,armen Seelen“ geläutet. Samstagabend sowie am Abend vor
einem  Feiertag, an Sonn- und Feiertagen wurde immer die große Glocke geläutet.
Beim ,,Gebetläuten“ Wurde zweimal abgesetzt.
Trat ein Todesfall ein, wurde mit der kleinen Glocke ,,Zeichen gegeben“ und
zwar folgendermaßen:- bei einem Kind ohne abzusetzen,
                                 - bei einer Frau einmal abgesetzt,
                                        - bei einem Mann zweimal abgesetzt.
Beim Tod eines Bischofs wurde mit der mittleren, beim Tod des Papstes mit
der großen Glocke ,,Zeichen gegeben“. Bis zum Begräbnis wurden nach jedem
, Gebetläuten“ alle drei Glocken zusammen geläutet, dies nannte man, Ausläuten“ . Letzteres erfolgte beim Tod eines Kindes nur mit der mittleren und kleinen Glocke.
Wenn Priester und Ministranten sowie der Kirchenchor sich zum Trauerhaus  begaben, wurde die große Glocke geläutet.
Während  des Trauerzugs zum Friedhof läuteten alle drei Kirchenglocken.
Bei der Ankunft im Fried hof wurde die Glocke der Friedhofskapelle geläutet.
Solange die Deutschpereger einen Priester im Dorf hatten, war jeden Morgen
eine hl. Messe und anschließend Requiem.
Eine Stunde vor Beginn jedes Gottesdienstes wurde die große  Glocke (,,Erstläuten“), eine halbe Stunde vorher die mittlere Glocke geläutet (,,Zweitläuten“),
zu Beginn des Gottesdienstes läuteten alle drei Glocken und während der Wandlung die große Glocke.
Am 18. März und am 18. August war für die Deutschpereger Kirchengemeinde der ,,Anbetungstag“. Morgens nach der hl. Messe wurde die Monstranz
mit dem Allerheiligsten zur Anbetung ausgestellt.
Bis zur Schlußandacht am Abend lud das Leuten der großen Glocke
zu jeder vollen Stunde die Gläubigen zum Gebet ein.
Am Gründonnerstag während der hl. Messe, beim ,,Gloria“, sind die Glocken
,,nach Rom geflogen“; während des Auferstehungsgottesdienstes kehrten
sie wieder zurück. Auch die Orgel blieb während dieser Zeit stumm.
Das Glockengeläut wurde während dieser Tags durch das Ratschen ersetzt.
jeder Ministrant erhielt eine Gasse oder ein Viertel zugeteilt, in der er das Ratschen ausübte.
Die Ministranten versammelten sich vor der Kirche und beteten auf der Treppe kniend,
während der Mesner die große Ratsche im Turm betätigte.
Anschließend begaben sich die Ministranten in ihre Straßen;
bei jedem Haus mit katholischen Einwohnern ratschten sie und riefen Sprüche:
Morgens und abends: Leute, Leute, liebe Leute, lasst euch auf die Knie fallen
  und betet den  ,,Engel des Herrn " !
Mittags: Leute, Leute, liebe Leute, lasst euch  sagen unsre Uhr hat zwölf geschlagen!  
Zum Erstläuten: Wir ratschen, wir ratschen das Erste zur Kirche!
Zum Zweitläuten: Wir ratschen, wir ratschen das Zweite und letzte zur Kirche!
Am Karsamstagnachmittag gingen die Ministranten in mehreren Gruppen
von Haus zu Haus zum sogenannten ,,Staubaus“.
Der Ministrant, der am Morgen verschlafen hatte, oder als letzter ankam, wurde am Karsamstag im Gesicht bemalt und,, Judas“ genannt.
Beim ,,Staubaus“ sangen die Ministranten in jedem Haus folgendes Lied:

Wir kommen zu der Österlichen Zeit, gebt uns Eier, gebt uns Geld,
nur kein’ Schlä,  die tun weh.
Das Liedl ist  gesungen, die Glocke hat geschwungen,
das Liedl ist nun aus, paar Dutzend Eier raus!

Die Leute beschenkten daraufhin die Ministranten mit Eier und Geld.
Letzteres wurde von allen Gruppen zusammengelegt und im Pfarrhaus verteilt.
Je einen Teil bekamen auch Pfarrer und Mesner, sie überwachten die gerechte Verteilung.
Brach im Dorf ein Brand aus, betätigte man die Kirchenglocken mit
rhythmischen Schlägen und rief so die freiwillige Feuerwehr und die Einwohner zur Hilfe.
Dieses Geläut nannte man ,,Stürmen“.
Die Glocken jeder Gemeinde waren - und bleiben auch Weiterhin - ein
Verständigungsmittel zwischen den Bewohnern.

Letzte Aktualisierung 08. 01. 2019
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